„Die 10 plus 2 Anordnung hat sich durchgesetzt“


Damit Sportplätze saftig grün bleiben, ist die richtige Positionierung der Regner essentiell. Im Gespräch mit Stadionwelt erklärt Martin Bigalke, Inhaber der INCAMPO Sport- und Beregnungsanlagen, verschiedene Möglichkeiten für eine effizientere Grünflächen- Bewässerung.

Martin Bigalke
Martin Bigalke
Stadionwelt: Bei Beregnungsanlagen wird die höchstmöglichste Effizienz der Bewässerung angestrebt. Wie sieht die aus?

Bigalke: Für eine gleichmäßige Rasendurchfeuchtung wäre optimal, wenn die Bewässerung durch die einzelnen Sprenger komplett ohne Überschneidungen erfolgen könnte – dies ist physikalisch aber nicht möglich. Bei der Bewässerung von rechteckigen Flächen mit kreisförmig sprühenden Regnern kommt es zu bis zu vierfachen Überlappungen der Beregnungsradien der einzelnen Regner. Daher wird versucht, eine möglichst gleichmäßige Wasserverteilung mit möglichst wenigen Überlappungen zu erzielen.

Es gilt für jede Fläche: Je mehr Regner verwandt werden, desto geringer ist die Fläche der Überlappungen, desto gleichmäßiger ist die Durchfeuchtung des Bodens. Ideal sind daher Beregnungsanlagen mit einem kleinen Bewässerungsradius. So wird auch verhindert, dass das Terrain über die eigentlich zu beregnende Fläche mit bewässert wird. Auf einem Sportplatz zählt die optimale Lösung 35 Regner, die in Fünfer-Reihen á sieben Regnern längsseitig angeordnet sind.

Systembeispiel mit 35er Anordnung (links) sowie mit Niederdrucksystem in 25er Anordnung<br />Fotos: In Campo
Systembeispiel mit 35er Anordnung (links) sowie mit Niederdrucksystem in 25er Anordnung
Fotos: In Campo

Gerade bei dem Umbau bestehender Anlagen können von den vorhandenen Druckerhöhungsanlagen die enormen Wassermengen, von zehn Kubikmeter pro Stunde, bei gleichzeitig hohen Drücken, von sechs bis sieben bar, für diese Anordnung nicht immer geliefert werden. Hier setzen sich alternativ immer mehr Anordnungsmuster durch, die auf die Verwendung von hochmodernen Niederdrucksystemen zurückgreifen, die einen Verbrauch von 6,4 Kubikmeter pro Stunde bei einem Wasserdruck von nur 4,5 bar haben.

Stadionwelt: Wo liegt das Problem bei der effizientesten Lösung?

Bigalke: Die optimale Lösung ist auch die teuerste, da hierbei der Material- und Arbeitsaufwand am größten ist. Amortisiert werden diese Mehrkosten durch Einsparungen im Wasserverbrauch und in den Energiekosten für die Pumpenanlagen. In der Praxis durchgesetzt hat sich daher eine Mischung. Eine möglichst gleichmäßige Bewässerung mit möglichst geringem Materialaufwand, damit der Kostenrahmen nicht gesprengt wird.

Stadionwelt: Welche Anordnung hat sich etabliert?

Bigalke: Ein bis heute häufig anzutreffendes System ist die 10 plus 2 beziehungsweise die 10 plus 3 Anordnung; das heißt auf jeder Längsseite drei Regner sowie jeweils zwei an den Kopfseiten, die im Halbradius bewässern. Dazu kommen zwei beziehungsweise drei Vollbewässerungs-Regner, die in der Mitte des Platzes in Längsrichtung installiert werden.

Gegenüberstellung einer 10 + 2 - Anordnung (links) und einer 10 + 3 - Anordnung<br />
Gegenüberstellung einer 10 + 2 - Anordnung (links) und einer 10 + 3 - Anordnung

Stadionwelt: Wie verfahren Sie bei Tennisplätzen?

Bigalke: Hier lässt sich dieses Prinzip nicht realisieren, da die Fläche deutlich kleiner ist und in der Mitte des Platzes keine Regner eingesetzt werden können. Deshalb wird in der Regel auf weniger Regner zurückgegriffen. Entweder in einer Vierer-Anordnung mit je zwei Regnern an den Längsseiten oder Sechser, die zusätzlich je ein Gerät am Kopfende haben.

Stadionwelt: Schwieriger wird es wahrscheinlich auf Golfplätzen…

Bigalke: Bei Golfplätzen kann keine generelle Anordnung genannt werden, da die Plätze keine einheitliche Gestalt und Ausrichtung haben, wie es bei Fußball- oder Tennisplätzen der Fall ist. Da hilft es, nur, die Regner so am Rand zu positionieren, dass mit möglichst wenigen Überlappungen so gleichmäßig wie möglich bewässert wird.

Modell von einem Tennisplatz mit 4,0 Regnern<br />
Modell von einem Tennisplatz mit 4,0 Regnern

Stadionwelt: Wie gehen Sie dabei vor?

Bigalke: Anhand der Lagepläne wird zum Beispiel an jedem Green und Fairway, zum Teil durch Planungssoftware unterstützt, aufwendig und akribisch ausgerechnet, bei welcher Anordnung der hunderten von Regnern auf einem Golfplatz die gleichmäßigste Bewässerung erreicht wird.

Stadionwelt: Wer die finanziellen Möglichkeiten hat, kann sich bei seiner Beregnungsanlagen elitär ausstatten. Welche Optionen gibt es zum Beispiel?

Bigalke: Die Fortschritte im Regnerbereich gehen so weit, dass die Regner – je nach Größe der finanziellen Mittel – nicht mehr nur durch einer Zeitschaltuhr angesteuert werden. Die Steuerungsprogramme können je nach Bedarf mit Wetterstationen unterschiedlichster Art gekoppelt werden, die permanent Daten wie die Niederschlagsrate, die aktuelle Sonneneinstrahlung und/oder die Temperaturen bemessen. Hieraus leiten die Geräte die aktuellen Verdunstungsraten des Wassers im Boden ab. Auf der Basis dieser Daten können dann die Beregnungszyklen und Wassermengen vollautomatisch berechnet und täglich neu reguliert werden.

Perfekt vervollständigt können diese Systeme werden, indem man sie über entsprechende Hard- und Software mit geostationären Wettersatelliten verbindet. Auf dieser Basis können nicht nur die aktuellen Wetterwerte mit in die Beregnungsberechnung einfließen, sondern auch Vorhersagewerte für eine bestimmte Region, die die entsprechenden Satelliten liefern.

Ein Entwurf eines Tennisplatzes mit 6,0 Regnern<br />
Ein Entwurf eines Tennisplatzes mit 6,0 Regnern

Stadionwelt: In welchen Punkten können die Beregnungsanlagen noch weiterentwickelt werden?

Bigalke: Die Regner als solche sind in punkto Bewässerung bereits auf einem hohen Level. Die Industrie ist aber weiter bestrebt die Regner so weiterzuentwickeln, dass große Weiten bei möglichst wenig Druck erreicht werden. Durch noch robustere Ausstattung könnte darüber hinaus die Lebensdauer weiter erhöht werden. Außerdem ist bei der Wartungsfreundlichkeit noch Luft nach oben.

Technisch hat es große Fortschritte gegeben. Greenkeeper können schon eine Grundrisskarte digital einpflegen und auf dem Bildschirm sehen, welcher Regner gerade läuft oder defekt ist. Hier werden sicherlich noch weitere Neuerungen auf den Markt kommen. Wobei die Übersicht auch nicht verloren gehen darf und die Technik ihren Preis hat.

Stadionwelt: Aktuell beschäftigt uns der eisige Winter. Wie werden die Anlagen gegen die Kälte geschützt?

Bigalke: Die Bewässerungsanlagen brauchen in jedem Fall eine saisonale Wartung. Nach der Vegetations- und vor der Frostperiode, also etwa Ende Oktober bis Anfang November, werden die unterirdischen Leitungen komplett entwässert. Da, erst Recht bei Hunderten Regnern wie auf einem Golfplatz, die Leitungen nicht komplett mit Gefälle angelegt werden können, damit das Wasser von alleine ablaufen kann, wird das Wasser mit Druckluft aus den Leitungsystemen herausgedrückt. (Stadionwelt, 01.03.2011)

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