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Bernd Annegarn und Frank Engels |
Immer mehr wird in Stadien auf Komfort geachtet. Das beinhaltet den Getränkekauf. Bernd Annegarn, Geschäftsführer bei Annegarn und Frank Engels, Prokurist und Verkaufsleiter, geben im Interview Auskunft über moderne Schankanlagenkonzepte.
Stadionwelt: Herr Annegarn, seit wann ist Ihr Unternehmen am Markt, beziehungsweise im Segment Getränkeschankanlagen tätig?
Annegarn: Bereits seit 1955 – früher eher regional, aber seit nun gut 15 Jahren bundesweit wie auch in den angrenzenden Nachbarstaaten.
Stadionwelt: Was macht Ihren Erfolg aus, und welche Strategie verfolgen Sie?
Annegarn: Hier fließen mehrere Faktoren zusammen. In erster Linie unterstützen wir den Fachplaner. Eine enge Zusammenarbeit mit den Cateringunternehmen und Getränkeherstellern sind für uns von hoher Wichtigkeit. Das Ziel ist es, innerhalb der knapp bemessenen Zeit möglichst viel Ausstoß bei hoher Qualität zu erreichen – verbunden mit optimalen Ausschankhilfen für den Service. Dies sorgt für einen zufriedenen Gast.

Heutzutage kommt die Zapfstelle ohne Getränkelager unter der Theke aus
Bilder: Annegarn
Stadionwelt: Herr Engels, wie erreichen Sie den hohen Getränkeausstoß?
Engels: Das hängt von der jeweiligen Gebäudestruktur und der Anzahl der zu verpflegenden Gäste ab. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob für ein Stadion oder eine Multifunktionsarena geplant wird. Je nach Anforderung wird ein entsprechendes Konzept entwickelt, das einen Mix aus der Anzahl der Outlets und der federführenden Technik enthält.
Stadionwelt: Spielt der direkte Fassanstich heute noch eine Rolle?
Engels: Nein. Der typische Fassanstich in der Theke oder das obligatorische Getränkelager unterhalb der Zapfstelle sind eher selten geworden. Viel mehr gibt es heute zentrale Getränkekühlräume. Entfernungen zwischen Fass und Outlet von mehr als 50 Metern sind da keine Seltenheit.

„Hinter den Kulissen“: moderne Pumpentechnik
Bilder: Annegarn
Stadionwelt: Wie ist es möglich, die Qualität und Ausschanktemperaturen bei derart langen Leitungen zu gewährleisten?
Engels: Zum Ersten werden sämtliche Stränge mit einer speziellen Isolierung versehen. Die Stärke der Isolierungen wird an den zu erwartenden Temperatureinflüssen bemessen. Im Innern der sogenannten Bierpython laufen parallel zu den Bierleitungen Wasserleitungen mit einer Temperatur von etwa +1°C. Die Wasserleitungen transportieren die einstrahlende Wärme zu einem Wasserkühler. Der Transport des Wassers erfolgt mit geeigneten Pumpen. Des Weiteren wird das Getränk ab einer bestimmten Länge mit Pumpentechnik transportiert. Diese Pumpen sorgen für die erforderlichen Fließgeschwindigkeiten. Gewünscht ist hier ein Mindestausstoß von 3l/min.
Aber auch größere Mengen sind mit speziellen Systemen möglich. Hier werden Ausgaben von bis zu 6l/min erreicht. Wichtigstes Ziel ist und bleibt aber bei allen Konzeptionen, dass das Getränk in unverändert hoher Qualität ausgeschenkt wird. Eine Veränderung des Produktes wie zum Beispiel durch Einflüsse wie Wärmeeinstrahlung oder falsche Fördermittel ist auf jeden Fall zu vermeiden.
Stadionwelt: Herr Annegarn, in wie weit unterscheiden sich die Getränkeschankanlagen von gestern und heute?
Annegarn: In der Gastronomie haben sich im Gegensatz zu früher hohe Qualitätsstandards durchgesetzt. Mit Hilfe der Getränkeindustrie, den Fachverbänden und selbstverständlich des Deutschen Brauer-Bundes wurden entsprechende Standards erarbeitet, umgesetzt und überwacht. Größere Events wurden früher überwiegend mit simplen Ausschankhilfen wie Oberthekenkühlgeräten ausgeführt. Heute müssen die Wartezeiten für den Gast so gering wie möglich gehalten werden. Für den Caterer ist es wichtig, innerhalb einer kurzen Zeit seinen Umsatz zu maximieren. Beides zusammen kann nur eine korrekt konzipierte Schankanlage gewährleisten. Letztendlich erreichen hierdurch der Veranstalter, der Getränkehersteller und auch das Cateringunternehmen ein positives Image. (Stadionwelt, 03.11.2009)