Mit dem Spiel des Titelverteidigers Bayern München gegen den VfL Wolfsburg ging die Fußballbundesliga am 20. August in ihre 47. Saison. Dabei ist allein die sanitäre Versorgung zehntausender Zuschauer eine gewaltige Herausforderung, wie die VDMA-Initiative Blue Responsibility betont
Die Bundesligastadien werden auch diesmal wieder gut gefüllt sein. Doch was sich hinter den Fassaden der 18 Spielstätten versteckt, wissen nur die wenigsten. Die deutschen Stadien gehören zu den modernsten in Europa und dienen weltweit als Vorbilder für den Stadionbau. Bei ihrer Errichtung respektive ihrem Umbau zur WM 2006 wurden die von den internationalen Fußballverbänden vorgegebenen Rahmenbedingungen wie das Umweltprogramm Green Goal des Fußball-Weltverbands FIFA, welches seit einigen Jahren bestimmte ökologische Mindestanforderungen für WM-Stadien erhebt, ebenso berücksichtigt wie die technischen Standards in den Lizenzierungsbedingungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL). Ein umfangreiches Regelwerk also, das die Qualität der Stadien in puncto technischer Ausstattung sicherstellt – nicht zuletzt im Bereich der Sanitärtechnik.
Im Rahmen einer Großveranstaltung fließen enorme Wassermengen durch die Leitungen einer Fußball-Arena. So betrug der gesamte Wasserbedarf der Stadien während der letzten Bundesligasaison circa 33 Millionen Liter. „Dies entspricht dem Inhalt von rund 215.000 Vollbädern“, wie Sanitärexperte Wolfgang Burchard, einer der Sprecher der Initiative Blue Responsibility, erläutert. So wird allein an einem Bundesliga-Wochenende mit einem durchschnittlichen Gesamtbesuch von rund 380.000 Zuschauern in den neun Stadien knapp eine Million Liter Wasser verbraucht. Damit lassen sich 25 große Tanklastzüge füllen.

Insgesamt sind in der Allianz Arena Edelstahlrohre mit einer Länge von 8.000 Metern installiert
Bild: Viega
Um jeden Bereich eines Stadions mit der nötigen Wassermenge zu versorgen, ist deshalb ein weit verzweigtes Netz von Trinkwasserleitungen vonnöten. „Allein im Bauch des Münchener Fußballtempels versteckt sich ein Rohrnetz aus Edelstahl mit einer Gesamtlänge von rund 8.000 Metern“, weiß Dirk Gellisch, Vertreter der Initiative Blue Responsibility. Dabei sind Langlebigkeit, Hochwertigkeit und Hygieneerhalt bei gleichzeitig wirtschaftlicher Verarbeitung die wichtigsten Aspekte in der Planung der technischen Gebäudeausstattung.
Elementare Aufgaben für Architekten und Ingenieure sind vor allem die effiziente Steuerung des Wassereinsatzes sowie die Sicherung der Trinkwasserqualität. Insbesondere die hohe Spitzenlast vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeitpause gilt es zu bewältigen, ohne dabei die Dimensionen der Trinkwasserinstallationen zu groß auszulegen. Die deutsche Sanitärindustrie schafft durch den Einsatz von elektronisch gesteuerten Wassermanagementsystemen gezielt Abhilfe. Diese reduzieren nicht nur automatisch die Fließzeit des Wassers und verringern so die durchlaufende Wassermenge, sondern lösen auch regelmäßige Hygienespülungen aus, welche die Sauberkeit des Wassers garantieren. Möglich wird dies durch Elektronikmodule, die über standardisierte Datentechnologie kommunizieren.
Sanitäre Einrichtungen verbrauchen neben der Spielfeldbewässerung den Löwenanteil des Wassers in einem Fußballstadion. So verschlingt allein die Nutzung von Waschbecken und Toiletten in einer Arena mit 50.000 Plätzen im Jahr etwa 6.000 Kubikmeter. Das entspricht umgerechnet der Wassermenge von drei olympischen Schwimmstadien. Die Verwendung moderner Spülsysteme sowie die Nutzung von Regen- und Grauwasser stellen hier nachhaltige und umweltfreundliche Alternativen dar, die zu einer verbesserten Verbrauchsbilanz beitragen können. Vor allem das aus gering verschmutztem Abwasser gewonnene Brauchwasser wird in den Sanitärräumen moderner Fußball-Arenen inzwischen mehr und mehr verwendet.

Die Bundesligastadien verbrauchen etwa 33 Millionen Liter Wasser pro Saison
Bild: Stadionwelt
Sanitärobjekte sind in einem Stadion stets besonderen Belastungen ausgesetzt: eine hohe Nutzungsfrequenz und potentielle Sachbeschädigung stellen höchste Anforderungen an das Material. Größten Wert legt die deutsche Sanitärindustrie deshalb neben der Reinigungsfreundlichkeit auf die Stabilität der verwendeten Werkstoffe. Insbesondere neue Verbund- und Mineralwerkstoffe sowie spezielle Beschichtungen leisten dabei wertvolle Dienste: Sie sind nicht nur leicht einzubauen und zu pflegen sondern gleichzeitig auch robust – wichtige Eigenschaften für den Einsatz in einem Fußballstadion. Doch die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass mit der Ausstattung mit hochwertigen Urinalen, Toiletten und Waschtischen laut Initiative auch die Sachbeschädigung in den Sanitärräumen der Stadien immer weiter abnimmt. So hat beispielsweise das Stadionmanagement in Gelsenkirchen seit 2001 nur eine Handvoll Sanitärobjekte ersetzen müssen. (Stadionwelt, 23.08.2010)