„Networking ist enorm wichtig“


Philipp Klotz
Philipp Klotz
Im Interview erläutert Philipp Klotz, Redakteur und Leiter Event bei SPONSORs, das Konzept des diesjährigen Sports Venue Summit, das am 7. und 8. September in der Allianz Arena stattfindet. Unter anderem wird bei dem Fachkongress die Internationalität noch stärker betont als zuvor.

Stadionwelt: Herr Klotz, welches Fazit haben Sie nach dem SPONSORs Sports Venue Summit 2008 gezogen?

Klotz: Ein überaus Positives. Nach 180 Teilnehmern im Jahr 2007 konnten wir im zweiten Jahr mit 450 Kongressbesuchern die Teilnehmerzahl mehr als verdoppeln. Bemerkenswert war darüber hinaus die große Internationalität der Teilnehmer. Insgesamt konnten wir Kongressbesucher aus 20 Ländern begrüßen.

Stadionwelt: Worin ist dieser Erfolg begründet?

Klotz: Die positive Resonanz für den Kongress ist sicherlich auch ein Abbild der vielen Stadionprojekte, die aktuell in Deutschland und Europa gebaut werden. Darüber hinaus hat sich in den vergangenen Jahren die Branche deutlich professionalisiert und damit auch vergrößert, was unter anderem auf die größere Anzahl von modernen Sportstätten zurückzuführen ist. Und zu guter letzt ist der Erfolg sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass wir in der Vergangenheit die Kongressstruktur und die Qualität der Inhalte ständig weiterentwickelt haben.

Stadionwelt: Auf welche Themen zielt das internationale Interesse?

Klotz: Deutschland hat dank der Investitionen, die durch die WM 2006 ausgelöst wurden, aktuell die modernste Stadioninfrastruktur in Europa. Das ist dem Ausland nicht verborgen geblieben und man möchte sich das eine oder andere abschauen. Zudem hat die hohe Bautätigkeit in Deutschland dazu geführt, dass es eine hohe Anzahl von Agenturen und Dienstleistern gibt, die mit dem Bau und Betrieb von Stadien ihr Geld verdienen und mittlerweile international als Experten gefragt sind. Aus diesem Grund ist Deutschland für die Ausrichtung eines europäischen Sportstättenkongresses aus unserer Sicht sehr glaubhaft.

Die Fachvorträge bilden einen Schwerpunkt des Programms<br />Alle Bilder: SPONSORs
Die Fachvorträge bilden einen Schwerpunkt des Programms
Alle Bilder: SPONSORs

Stadionwelt: High-End-Projekte und -Lösungen sind immer hervorragende Referenzen – aber der Markt besteht zu einem großen Anteil aus Objekten der kleineren und mittleren Kategorie. Sind auch die Vertreter dieser Zielgruppe bei Ihnen richtig?

Klotz: Das Sportstättenforum ist als Branchentreff konzipiert. Von daher freuen wir uns natürlich über die Zusagen von Clubs wie Inter Mailand, Tottenham Hotspurs oder Feijenoord Rotterdam. Für uns sind die so genannten „Kleinen“ aber genauso wichtig, wie man am Programm auch erkennen kann. Für uns heißt es nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.

Stadionwelt: Aufgrund welcher Einschätzung haben Sie das diesjährige Themenspektrum entwickelt?

Klotz: Einige Themen ergeben sich natürlich wie von selbst. Es ist klar, dass geplante Neubauten wie in Rotterdam, Tottenham und Mailand Leuchtturmprojekte sind, um die wir uns bemühen. Darüber hinaus führen wir mit vielen Branchenvertretern und unseren zahlreichen Partnern das ganze Jahr über Gespräche, welche Themen von Interesse sind. Wir stellen uns immer wieder die Frage: Was sind die interessantesten Fallbeispiele und welche innovativen Ideen sollte man vorstellen?

Stadionwelt: Wie wichtig ist Networking für den Erfolg der Veranstaltung?

Klotz: Networking ist enorm wichtig. Neben neuen Erkenntnissen und interessanten Vorträgen, sind direkte Kontakte das, was die Teilnehmer suchen. Das wissen wir und aus diesem Grund gibt es auch immer ausreichend Pausen zwischen den Programmpunkten zum Networken und nicht zu vergessen, das große Get together am ersten Kongressabend.

Stadionwelt: Welche weiteren Neuerungen gibt es beim Kongress?

Klotz: Eine große Erkenntnis aus dem Vorjahr war, dass viele Teilnehmer Learnings zum Anfassen haben wollen. Aus diesem Grund werden wir in diesem Jahr gleich vier thematisch unterschiedliche Stadiontouren anbieten: „Catering & Besuchermanagement“, „Marketing & Hospitality“, „IT & Technologie“ und LED-Bandensysteme“. Das Besondere an den Touren ist, dass sie von den Entscheidern aus den jeweiligen Bereichen geleitet werden. So haben Kongressteilnehmer die einmalige Möglichkeit, die Herausforderungen des Stadioncaterings vom Chefkoch der Allianz Arena persönlich erklärt zu bekommen. Neue Erkenntnisse werden auch die Teilnehmer der Führung „Marketing & Hospitality“ erfahren, die der Marketingleiter des FC Bayern, Andreas Jung, leitet.

International anerkannte Experten geben ihr Know-how weiter.
International anerkannte Experten geben ihr Know-how weiter.

Stadionwelt: Und Sie bieten dieses Jahr auch eine Stadion-Tour durch Deutschland an.

Klotz: Ja, das ist richtig. Im Nachgang des Kongresses werden wir in Kooperation mit dem DFB eine zweitägige Stadion-Tour anbieten. Es wird eine Nord- und Süd-Tour geben, bei der wir insgesamt neun deutsche Stadien besichtigen. Die Ausrichtung zielt auf das Bedürfnis der Teilnehmer ab, Learnings anhand bestehender Stadien mit nach Hause zu nehmen. Die Auswahl der Sportstätten ist daher so gewählt, dass wir in jedem Stadion einen anderen Schwerpunkt legen: Im Berliner Olympiastadion nehmen wir das Hospitality unter die Lupe, in Stuttgart die Finanzierung und in Leverkusen das Ticketing. Höhepunkt der Stadiontour ist sicherlich der Besuch des WM-Qualifikationsspiels Deutschland-Aserbaidschan in Hannover, bei dem DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach höchstpersönlich die Tourteilnehmer begrüßen wird.

Stadionwelt: Zurück zur Internationalisierung – wie gestaltet sie sich? Einige Länder scheinen doch stark auf die eigenen Märkte und Netzwerke fokussiert zu sein.

Klotz: Sicher. Man braucht Zeit, um sich gerade auf internationalem Terrain einen Namen zu machen und zu verankern, dass der Sports Venue Summit der führende Branchentreff ist. Obgleich dies ein ambitioniertes Ziel ist, zeigen die Anmeldungen, die wir gerade gestern erst von Zenit St. Petersburg über den OSC Lille bis hin zum Olympischen Komitee in Qatar bekommen haben, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass die Branche eine solche Plattform zum Erfahrungsaustausch wünscht

Stadionwelt: Welche Punkte stehen bei diesem Austausch besonders im Blickpunkt?

Klotz: Bei Stadionprojekten, die teilweise mehrere hundert Millionen Euro kosten, geht es am Ende des Tages oftmals ums Geld: wie kann man Geld sparen oder besser noch, mehr Geld verdienen.

Stadionwelt: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Klotz: Sportstättenprojekte zeichnen sich teilweise durch sehr unterschiedliche Businessmodelle aus. Hier wollen die Teilnehmer voneinander lernen. Nehmen sie beispielsweise das Thema Hospitality. Während in Deutschland kein Vermarkter oder Club auf die Idee käme, Essen und Tickets getrennt voneinander zu verkaufen, ist dies in der Premier League die Regel. Auf der anderen Seite kämpfen die französischen Clubs mit der Angewohnheit ihrer Landsleute, dass diese beabsichtigen, aufwendig und mit vielen Gängen zu speisen, was für die Refinanzierung von VIP-Tickets aus Kosten-Nutzen-Aspekten eine hohe Herausforderung darstellt. In Italien ist es hingegen schick, spät zum Spiel zu kommen und früh wieder zu gehen, was die grundsätzliche Idee des Hospitality und Networkings ad absurdum führt. Allein an diesem Beispiel kann man sehen, wie interessant der Blick hinter die Kulissen in den einzelnen Ländern ist.

Die Allianz Arena – auch für die Sportstätten-Profis ein Publikumsmagnet.
Die Allianz Arena – auch für die Sportstätten-Profis ein Publikumsmagnet.

Stadionwelt: Zwischen der vorigen und der diesjährigen Veranstaltung schlug die weltweite Krise ein. Stellen Sie einen Effekt fest?

Klotz: Wir möchten gar nicht verleugnen, dass es in diesem Jahr teilweise schwieriger war, den einen oder anderen Partner beziehungsweise Teilnehmer von seiner Teilnahme zu überzeugen. Nichts desto trotz können wir sagen, dass wir trotz des schwierigen Marktumfeldes die Veranstaltung deutlich weiterentwickelt haben. Zu nennen ist hier sicherlich die Partnerschaften mit der FIFA, dem DFB, der DFL und dem FC Bayern München, die uns in diesem Jahr erstmals unterstützen. Es freut uns sehr, dass uns diese gewichtigen Institutionen im europäischen Fußball ihr Vertrauen schenken und uns dadurch zusätzliche Glaubwürdigkeit im Markt geben. Darüber hinaus glaube ich, dass wir das Programm noch einmal deutlich werthaltiger gestalten konnten als im Vorjahr. Und zu guter letzt beziehungsweise als Resultat der beiden vorherigen Punkte, konnten wir den Anteil der internationalen Teilnehmer sowohl in Qualität als auch Quantität deutlich steigern, was uns ebenfalls sehr freut und die Veranstaltung dem Ziel näher bringt, der führende internationale Treff der Sportstättenbranche zu sein.

Stadionwelt: Und wie sehen Sie die Auswirkungen der Krise auf die Sportstättenbranche?

Klotz: Das kann man nicht so pauschal sagen. Es gibt sicherlich Projekte wie in Valencia oder Liverpool, die unter der Krise leiden und zumindest temporär gestoppt wurden. Bauprojekte, deren Finanzierung jedoch gesichert war, haben sogar von der Krise profitiert, da Rohstoffpreise gesunken sind. Alles in allem hält der Bauboom in Europa auch trotz der Krise an. Man muss allein einmal bedenken, dass in Frankreich gerade 15 Fußball- und Rugbystadien um- oder neugebaut werden. Ähnliches gilt für Italien, die im Zuge ihrer Bewerbung für die Euro 2016 große Anstrengungen unternehmen, ihre Stadioninfrastruktur zu verbessern.

Stadionwelt: Vor welchem Hintergrund thematisieren Sie „Host Cities & Bidding Countries“?

Klotz: Die Belange und Interessen von Host Cities und Bidding Countries sollen in Zukunft einen wichtigen Stellenwert im Rahmen des Sports Venue Summit einnehmen. Bisher gibt es neben dem Sportaccord, der hauptsächlich ein Augenmerk auf die Olympischen Spiele legt, keinen Kongress, der eine Plattform für die Ausrichter von sportlichen Großveranstaltungen darstellt. Dabei werden die Ansprüche und To-do-Listen der Verbände immer größer. Millionen, teilweise Milliarden von Euro müssen im Falle eines Zuschlags für ein Land kurzfristig in Sportstätten und Infrastruktur investiert werden. Ein Austausch zwischen ehemaligen und künftigen Ausrichterländern findet bisher jedoch kaum statt. Durch die Zusammenarbeit mit Top-Experten aus den Bereichen Bidding-Prozesse und den Verbänden wie FIFA und IOC sollen die Ausrichter von Groß-Events künftig einen deutlich stärkeren Stellenwert im Kongress bekommen. Ziel ist es, den Sports Venue Summitb mittelfristig zu der Plattform des Erfahrungsaustauschs für Host Cities und Bidding Countries zu etablieren. (Stadionwelt, 25.08.2009)

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