Das Papier ist weitgehend verschwunden, dafür stehen auf dem Zeitnehmertischen der Handballbundesliga jetzt Laptops. Seit Saisonstart werden die Spielberichte mit einer Software von GateCom Informationstechnologie erstellt. Jochen Engelmann ist Geschäftsführer des Unternehmens aus dem niedersächsischen Göttingen. Im Stadionwelt-Interview stellt er sich den Fragen, die die Einführung des so genannten elektronischen Spielberichtsbogens begleiten.

Neu in der HBL: Ein Bildschirm auf dem Zeitnehmertisch. Hier beim Spiel VfL Gummersbach - SC Magdeburg
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Erklären Sie uns bitte, warum die Umstellung Sinn macht.
Engelmann: Wir ersetzen den kompletten Papier-Spielberichtsbogen. Der Handball ist heute wesentlich schneller und ereignisreicher als noch vor einigen Jahren. Im Schnitt fallen in einem Bundesliga-Spiel fast 60 Tore. Hinzu kommen Zeitstrafen, Gelbe Karten, Auszeiten und vieles mehr, so dass man am Zeitnehmertisch rund 100 Ereignisse pro Spiel festhalten muss. Der dort sitzende Sekretär hat es dann viel einfacher, da wesentlich weniger Arbeit anfällt, denn alles wird durch einen Klick auf den richtigen Button in sekundenschnelle festgehalten. Zudem werden die Fehler weniger. Es gab bisher immer wieder Fälle, in denen man versehentlich einen falschen Torschützen notiert, was aber in den Statistiken nie mehr korrigiert wurde.
Stadionwelt: Gibt es vergleichbares schon in den anderen Hallensportarten?
Engelmann: Ich bin mir nicht ganz sicher, wie es beim Eishockey oder Basketball aussieht, behaupte aber, dass wir bei der Geschwindigkeit der Übermittlung absolut führend sind. Die Verzögerung zwischen dem Torwurf in der Halle und der Meldung am heimischen PC beträgt im ungünstigsten Fall 20 Sekunden. Genau darin liegt der zweite große Vorteil: Alle Spiele können über den Ticker auf der Seite der Handball Bundesliga parallel im Internet verfolgt werden. Der User hat die Wahl zwischen einen von ihm ausgesuchten Spiel oder einer Art Konferenz, in der immer die beiden letzten Aktionen aller gerade stattfindenden Begegnungen gezeigt werden.

Die Eingabemaske, exemplarisch ausgewählt aus der Begegnung SG Flensburg-Handewitt - MT Melsungen
Bild: Gatecom
Stadionwelt: Wie sieht Ihre Bilanz nach der ersten Spielen aus, in denen sich der elektronische Spielberichtsbogen in der Praxis bewähren musste?
Engelmann: Am ersten Spieltag hatten wir nur bei einem Spiel Probleme, am 2. Spieltag in zwei Hallen ? es waren aber immer nur Handlingsprobleme, die vielleicht auf eine gewisse Anfangsnervosität zurückzuführen sind. Mit entsprechender Routine wird sich das verbessern, schließlich haben wir die Sekretäre aller Erst- und Zweitligisten in insgesamt acht Veranstaltungen geschult.
Stadionwelt: Durch das ebenfalls von GateCom betriebene Spielplan- und Ergebnis-Portal SIS-handball.de sind Sie der Sportart schon lange verbunden. Ist der nun vollzogene Schritt die logische Weiterentwicklung Ihrer Unternehmenstätigkeit?
Engelmann: Das Spielplan- und Ergebnis-Portal machen wir seit 1999, und so alt ist auch die Idee des elektronischen Spielberichtsbogens. 2002 hatten wir dann den Prototyp entwickelt und beim Supercup 2003 in Hannover gab es den ersten Probelauf.
Stadionwelt: Seither sind aber drei Jahre vergangen ? eine vergleichsweise lange Zeit.
Engelmann: Das Problem lag bei den unterschiedlichen technischen Gegebenheiten in den einzelnen Hallen. Mit der Ausbreitung von Wireless LAN kam der Durchbruch, so dass der DHB schließlich festgelegt hat, dass eine Installation der Anlage für jeden Verein zumutbar sei. In den drei Jahren haben wir das System aber auch entsprechend weiterentwickeln können.
Stadionwelt: Und wie wird sich der elektronische Spielberichtsbogen in Zukunft entwickeln? Sind weitere Funktionen angedacht?
Engelmann: Ein Fortschritt wird darin bestehen, auch die Zeitnahme an das System anzudocken. Die entsprechende Software liegt bereits vor. Aktuell gibt es in dieser Richtung Anfragen von drei Vereinen, die das in Kürze bekommen werden. Der DHB erwägt aber auch, dass System bei der anstehenden Weltmeisterschaft einzusetzen. Bundesliga-Spielleiter Uwe Stemberg und ich haben bereits Gespräche mit den internationalen Verbänden geführt, um deren Wünsche und die Feinheiten beim Regelwerk entsprechend umsetzen zu können. (Stadionwelt, 07.09.2006)
Hier sind die Liveticker zu sehen: www.handball-bundesliga.de