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Kategorie: Zugang/Ticketing Moderne Zugangskontrolle mit Drehkreuz und Drehsperre
Im Stadionwelt-Interview beschreibt Geschäftsführer Josef Schorn die aktuelle Situation im Bereich des Stadionzugangs und wirft einen Blick in die Zukunft. Stadionwelt: Welche Auflagen gilt es für Sie als Hersteller von Einlasssystemen zu beachten? Josef Schorn: Für jedes Stadion, egal welcher Kategorie, gibt es allgemeine Bauvorschriften, die auch für die Einlasssysteme gelten. Beispielsweise müssen wir die Breite der Fluchtwege beachten, außerdem eine Mindestanzahl von Leuten pro Minute einlassen können. Darüber hinaus bieten wir zusätzlichen Service: So öffnen sich unsere Drehsperren unter Last, über eine zentrale Taste lassen sich bei Bedarf auch die Holme abklappen und anschließend wieder automatisch einrichten. Stadionwelt: Wann kann das zur Anwendung kommen? Josef Schorn: Wenn man das Stadion rasch entfluchten will zum Beispiel. Dafür eignet sich keine mechanische Sperre. Wir sprechen dann von integrierter Fluchtwegefunktion zusätzlich zu den vorgeschriebenen Fluchtwegen. Stadionwelt: Wo liegen die Unterschiede zwischen den Drehsperren, die in Deutschland meist zum Einsatz kommen, und den mannshohen Drehkreuzen? Josef Schorn: Die Drehsperre soll in Deutschland weniger Leute davon abhalten ins Stadion zu gelangen, vielmehr erfüllt sie eine Art Ordnungsfunktion. Abhängig von der Qualität des eingesetzten Lesersystems können pro Drehsperre 25 bis 40 Leute pro Minute in ein Stadion gelassen werden. Man hat errechnet, dass jeder Einzelne etwa zwei Sekunden braucht, um den Einlassvorgang abzuschließen. Gerechnet werden etwa 0,7 Sekunden pro Meter. Die Holme sind für eine Belastung von bis zu 250 Kilogramm ausgelegt. Die Drehkreuze hingegen, haben den Anspruch, ungewünschte Personen vom Stadion fern zu halten. Sie bedürfen weniger Personaleinsatz, da aufgrund der Höhe und der Konstruktion niemand darüber hinweg springen oder unten durch schlüpfen kann. In der Minute können die Drehkreuze von etwa 10 bis 15 Personen passiert werden, was daran liegt, dass die Kreuze über vier Stabreihen verfügen, so dass man beim Passieren etwas tippeln muss, um voranzukommen. Die Drehkreuze haben die gleiche Widerstandsklasse wie der Zaun rund um das Stadion, das heißt man kann sie nicht durchdrücken. Stadionwelt: Aus welchem Material sind die Geräte gefertigt? Josef Schorn: Wir verwenden Stahl, der aus Gründen der Haltbarkeit feuerverzinkt wird. An den Stellen, die häufig berührt werden, nutzen wir elektropolierten Edelstahl, der verhindert, dass sich Dreck absetzt, was auf Dauer natürlich einen größeren Reinigungsaufwand bedeuten würde. Die Drehsperre besteht komplett aus Edelstahl. Generell besteht natürlich der Anspruch, dass die Zugänge möglichst unzerstörbar sind. Stadionwelt: In Deutschland sind Drehkreuze kaum verbreitet. Wovon wird die Entscheidung Drehkreuz oder Drehsperre abhängig gemacht? Josef Schorn: Das ist eine konzeptionelle Frage. Will der Stadionbetreiber mit viel oder eher wenig Personal arbeiten – das hat natürlich auch eine finanzielle Komponente. In Deutschland haben die Drehsperren, wie gesagt, eher eine Ordnungsfunktion. In England, wo man in den achtziger Jahren große Probleme mit Gewalt im Stadion hatte, setzt man dagegen generell auf mannshohe Drehkreuze, um den Leuten direkt zu zeigen, dass man eine bestimmte Klientel nicht ins Stadion lassen wird. Stadionwelt: Große Gewaltprobleme gab es auch in Italien, aus diesem Grund haben Sie dort im Frühjahr dieses Jahres mehrere Einlasssysteme eingebaut. Wie ist die aktuelle Situation? Josef Schorn: Wir haben acht Stadien mit unseren Einlasssystemen ausgestattet. Der italienische Verband hatte dies für Stadien mit mehr als 10.000 Plätzen angeordnet. Andere Stadionbetreiber haben ihre Kapazität auf unter 10.000 Plätze reduziert, um diese Regelung zu umgehen. Für die nächste Saison wurde das Limit auf 7.500 Plätze heruntergeschraubt, so dass weitere Installationsmaßnahmen folgen werden. Generell muss man natürlich sagen, dass Einlasssysteme die Gewalt rund um den Fußball nicht eindämmen können, man kann allerdings dafür sorgen, dass nur noch Leute ins Stadion kommen, die man dort auch haben möchte. Stadionwelt: Welche Rolle spielen die Ticketanbieter und Systemhäuser? Josef Schorn: Die Ticketanbieter und Systemhäuser sind unsere Partner, eine gute Zusammenarbeit ist also unerlässlich. Wir sind in den Ablauf eingebunden – wie ein Drucker an einen PC. Die Drehsperre kommuniziert mit dem Ticketsystem. Dabei wird ein Datenpaket geschickt, worauf das System mit einem Protokoll antwortet. Sollte ein Fehler vorkommen, muss das System auf die Drehsperre Zugriff haben und beispielsweise verhindern, dass Unbefugte Einlass erhalten. Wichtig ist außerdem die funktionelle Redundanz des Systems, so dass bei Störfällen nicht alles still steht. Stadionwelt: Wo sehen Sie bei den Einlasssystemen noch Verbesserungsmöglichkeiten? Josef Schorn: Wir sind immer bemüht, unsere Systeme noch bedienerfreundlicher zu machen. Das richtet sich speziell an Zuschauer, die zum ersten Mal ins Stadion gehen. Über neue Technologien wie RFID oder den zweidimensionalen Barcode lässt sich der Stadionzugang weiter verbessern und beschleunigen. Stadionwelt: Was sind die Vorteile dieser Technologien? Josef Schorn: RFID hat den großen Vorteil, dass der Chip sowohl lesen als auch schreiben kann. So kann ein stets aktueller Informationsaustausch zwischen der Karte und der Betreibersoftware stattfinden. Weiterhin können mehrere Systeme parallel laufen, also auch das Catering oder der ÖPNV über ein und dieselbe Karte gebucht werden. Der zweidimensionale Barcode gewährt große Informationsmöglichkeiten. Die Frage ist natürlich, inwieweit das – auch aus Datenschutzgründen – gewünscht wird. Man kann darauf eine komplette Identität speichern und einen Stadionbesucher beim Einlass entsprechend verifizieren. Der 2D-Barcode kann auch im Bereich Ticketkauf via Handy zum Einsatz kommen. Der Kunde zahlt und erhält dann eine entsprechende SMS, die er am Stadion an ein Lesegerät halten muss. Stadionwelt: Wie ist die Lage in anderen Ländern? Gibt es gravierende Unterschiede zur Handhabung in Deutschland? Josef Schorn: Der Einlass wird überall sehr unterschiedlich gehandhabt. In Asien orientiert man sich in jeder Hinsicht nur an den neuesten Systemen, dort ist man bereit, für Komfort auch Geld zu bezahlen. In Osteuropa dagegen wird vielmehr auf die Finanzen geachtet. Auch der Umgang mit persönlichen Daten ist sehr unterschiedlich. In den USA ist es üblich seine Kreditkartennummer anzugeben, die Deutschen sind da wesentlich skeptischer. Ich halte es jedoch für gut möglich, dass mit der Einführung des mit biometrischen Daten ausgestatteten Personalausweises da eine gewisse Öffnung stattfindet. (Stadionwelt/Pascal Reichardt, 06.08.07) URL des Artikels:
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